Ärzte des Deutschen Zentrums für Lungenforschung engagieren sich für eine optimale Diagnose und Therapie von Lungenerkrankungen, indem sie darin mitwirken, die Behandlungsrichtlinien auf aktuellem Stand zu halten. So erfolgte bereits im Vorjahr die Überarbeitung der Leitlinien für Asthma sowie für Tuberkulose im Erwachsenenalter. Im ersten Quartal dieses Jahres kamen die Leitlinie für nosokomiale Pneumonie als auch die „Aktualisierte Therapieempfehlung metastasiertes nicht kleinzelliges Lungenkarzinom“ und die überarbeitete Leitlinie für COPD hinzu. Alle fünf wurden kürzlich in der Fachzeitschrift „Pneumologie“ publiziert. Darüber hinaus ist in Kürze mit einer Publikation der überarbeiteten Leitlinie  für das Lungenkarzinom zu rechnen. Auch hier waren DZL-Ärzte involviert.

Medizinische Leitlinien sollen Ärztinnen und Ärzten in der Behandlung ihrer Patientinnen und Patienten unterstützen. Sie geben den aktuellen Stand der gesicherten Forschungsergebnisse wieder und stellen so eine wichtige Schnittstelle zwischen Wissenschaft und medizinischer Praxis her. Seit 1995 koordiniert die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) den genau definierten Prozess der Leitlinienerstellung. Im Folgenden sollen drei Leitlinien und eine Therapieempfehlung vorgestellt werden, die kürzlich unter Mitarbeit von DZL-Ärzten entstanden.

Die überarbeitete Asthma-Leitlinie definiert die Erkrankung und beschreibt die aktuell wichtigsten diagnostischen Methoden und therapeutischen Maßnahmen. Weitere Abschnitte widmen sich Komorbiditäten, Prävention, arbeitsbedingtem Asthma sowie Asthma in der Schwangerschaft.
Die Leitlinie entstand in Zusammenarbeit der deutschen und der österreichischen Fachgesellschaft für Pneumologie mit der Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie (GPP) und der Deutschen Atemwegsliga. Dementsprechend  umfasst sie Empfehlungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Vom DZL-Standort ARCN war Prof. Dr. Klaus F. Rabe an der Ausarbeitung beteiligt, vom Standort München (CPC-M) Prof. Dr. Dennis Nowak, vom Standort UGMLC Prof. Dr. Klaus Kenn und Prof. Dr. Claus Vogelmeier und vom DZL-Partner COSYCONET Prof. Dr. Dr. Robert Bals. Die Publikation erfolgte im Dezember 2017 in der „Pneumologie“, dem Fachorgan der DGP und des DZL.

Ende Januar 2018 erschien die neue deutschsprachige Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Patienten mit chronisch obstruktiver Bronchitis und Lungenemphysem (COPD), an der DZL-Forscher Prof. Dr. Claus Vogelmeier (DZL-Standort UGMLC) federführend wirkte. Wesentliche Änderungen bestehen in der Einteilung der COPD-Schweregrade (mit Hilfe des überarbeiteten ABCD-Schemas) und in den Behandlungsempfehlungen. Die internationale GOLD-Guideline konzentriert sich bei der Diagnose ausschließlich auf die Spirometrie und die Forcierte Expiratorische Einsekundenkapazität (FEV1), die deutschen Leitlinien hingegen empfehlen, die Bodyplethysmographie und die Diffusionskapazität zu berücksichtigen. Der Stellenwert inhalativer Glukokortikoide (ICS) wurde deutlich reduziert. Hinsichtlich der Behandlung von COPD-Exazerbationen sind die Autoren der deutschen Leitlinie zudem der Ansicht, dass derzeit zu viele Patienten mit Antibiotika behandelt werden. Darüber hinaus zeigt die neue Leitlinie unter anderem einfache Kriterien auf, anhand derer es mit einer Mustererkennung möglich ist, zwischen Asthma und COPD zu differenzieren. Beteiligt an der neuen Leitlinie waren DZL-Ärzte aller Standorte, neben Prof. Dr. Vogelmeier so auch Prof. Dr. Kenn (ebf. UGMLC), DZL-Vorstandsmitglieder Prof. Dr. Rabe (ARCN) und Prof. Dr. Tobias Welte (BREATH), Prof. Dr. Nowak (CPC-M) und  Prof. Dr. Felix Herth (TLRC) sowie PD Dr. Henrik Watz (ARCN).

Die „Aktualisierte Therapieempfehlung für metastasiertes nichtkleinzelliges Lungenkarzinom“ erschien im Folgemonat in der Pneumologie. Ihr erster Teil gibt einen Überblick über diagnostische Methoden. Ein wichtiges Kriterium ist hier der Nachweis einer Treibermutation: Im Fall eines positiven Befundes ist es möglich, eine zielgerichtete Therapie einzuleiten. Auch der Nachweis einer PD-L1-Expression kann zu einer Empfehlung für eine Therapie mit einem monoklonalen Antikörper führen. Der zweite Teil des Artikels widmet sich den verschiedenen Optionen und Schemata für Therapien. Diese betreffen insbesondere Patienten mit Genmutationen, die durch neu zugelassene zielgerichtete Primärtherapie-Medikamente behandelt werden können. Hierbei handelt es sich um EGFR-Tyrosinkinaseinhibitoren, ALK-Tyrosinkinaseinhibitoren und die Kombination Trametinib/Dabrafenib für Patienten mit BRAF-V600E-Mutationen. Auch die Rezidivtherapie mit Osimertinib (bei Patienten mit resistenzvermittelnder T790M-Mutation nach EGFR-TKI-Vortherapie) als auch die Immuntherapie in der Erst- und Zweitlinie sind Thema. Die Autoren – unter ihnen ARCN-Onkologe Prof. Dr. Martin Reck sowie PD Dr. Niels Reinmuth vom DZL-Standort CPC-M – stellen zwar ihre persönlichen Empfehlungen dar, dies aber auf Basis der Richtlinien der Fachgesellschaften. Somit haben ihre Empfehlungen zwar nicht den Rang einer Leitlinie, „aber sie geben Lesern und Leserinnen einen Einblick in aktuellste Entwicklungen, da wir neu verfügbare (und zugelassene) Therapien aufgreifen und diskutieren“, so DZL-Experte Martin Reck von der LungenClinic Grosshansdorf. Eine solche Aktualität können  Leitlinien aufgrund der längeren Erscheinungszyklen nicht haben.

Auch für Tuberkulose im Erwachsenalter liegt nun eine neue Leitlinie vor. Sie entstand unter Mitarbeit von Prof. Roland Diel (DZL-Standort ARCN) und enthält insbesondere erweiterte Kapitel zu Mehrfachresistenzen gegen Medikamente der Standardtherapie, zur HIV-Koinfektion und eine umfangreichere Übersicht der Arzneimittel.

Prof. Klaus Dalhoff (DZL-Standort ARCN) arbeitete federführend an der Überarbeitung der aktualisierten S3-Leitlinie zu „Epidemiologie, Diagnostik und Therapie erwachsener Patienten mit nosokomialer Pneumonie“. Aufgenommen wurden Empfehlungen zu neuen diagnostischen Verfahren, zur verlängerten Behandlung mit Antiinfektiva sowie verbesserten Therapiekonzepten. Auch an dieser Leitlinie wirkten Autoren weiterer DZL-Standorte mit, so u. a. DZL-Vorstandsmitglied Prof. Dr. Tobias Welte aus Hannover (BREATH), Prof. Dr. Claus Peter Heußel vom Standort Heidelberg (TLRC) und Prof. Dr. Konstantin Mayer vom Standort Gießen (UGMLC).

 

Weitere Informationen / Quellen:

zur News vom DZL-Standort ARCN (Autor: J. Bullwinkel)

Deutsche Atemwegsliga e.V.: Asthma und COPD - Die neuen Leitlinien der Deutschen Atemwegsliga und der DGP. Pressemitteilung vom 16.3.2018

Zu den Leitlinien:

Buhl R, Bals R, Baur X, Berdel D, Criée CP, Gappa M, Gillissen A, Greulich T, Haidl P, Hamelmann E, Kardos P, Kenn K, Klimek L, Korn S, Lommatzsch M, Magnussen H, Nicolai T, Nowak D, Pfaar O, Rabe KF, Riedler J, Ritz T, Schultz K, Schuster A, Spindler T, Taube C, Taube K, Vogelmeier C, von Leupold A, Wantke F, Weise S, Wildhaber J, Worth H, Zacharasiewicz A (2017). S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Patienten mit Asthma. Pneumologie 71: 849-919 . Hrsg.: Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. und Deutsche Atemwegsliga e.V., unter Beteiligung der Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie e.V. und der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie, unter Mitwirkung der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e. V., der Deutschen Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaften e. V., und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V.       

Vogelmeier C, Buhl R, Burghuber O, Criée C-P, Ewig S, Godnic-Cvar J, Hartl S, Herth F, Kardos P, Kenn K, Nowak D, Rabe KF, Studnicka M, Watz H, Welte T, Windisch W, Worth H. S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Patienten mit chronisch obstruktiver Bronchitis und Lungenemphysem (COPD). 2018; AWMF online. Hrsg.: Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. und Deutsche Atemwegsliga e.V., unter Beteiligung der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie. Unter Mitwirkung der folgenden Wissenschaftlichen Fachgesellschaften: Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e.V. und Deutsche Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaften e.V.

Reinmuth N, Gröschel A, Schumann C, Sebastian M, Wiewrodt R, Reck M. Aktualisierte Therapieempfehlung metastasiertes nicht kleinzelliges Lungenkarzinom. Pneumologie 72: 138-154.

Schaberg T, Bauer T, Brinkmann F, Diel R, Feiterna-Sperling C, Haas W, Hartmann P, Hauer B, Heyckendorf J, Lange C, Nienhaus A, Otto-Knapp R, Priwitzer M, Richter E, Rumetshofer R, Schenkel K, Schoch OD, Schönfeld N, Stahlmann R (2017) S2k-Leitlinie: Tuberkulose im Erwachsenenalter. Eine Leitlinie zur Diagnostik und Therapie, einschließlich Chemoprävention und -prophylaxe des Deutschen Zentralkomitees zur Bekämpfung der Tuberkulose e.V. im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. Pneumologie 71: 325-397.

Dalhoff K, Abele-Horn M, Andreas S, Deja M, Ewig S, Gastmeier P, Gatermann S, Gerlach H, Grabein B, Heußel CP, Höffken G, Kolditz M, Kramme E, Kühl H, Lange C, Mayer K, Nachtigall I, Panning M, Pletz M, Rath PM, Rohde G, Rosseau S, Schaaf B, Schreiter D, Schütte H, Seifert H, Spies C, Welte T, unter Mitwirkung der folgenden Wissenschaftlichen Fachgesellschaften und Institutionen: Deutsche Gesellschaft für Chirurgie, Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e. V., Deutsche Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin, Deutsche Sepsis-Gesellschaft e. V., und Robert Koch-Institut (2018). Epidemiologie, Diagnostik und Therapie erwachsener Patienten mit nosokomialer Pneumonie – Update 2017. Pneumologie 72: 15-63.